Gedichte:

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Innehalten

oder

sterbe bevor du stirbst!

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Für einen Moment lang verabschiede ich nun alles, was ich war.

Meinen alten Namen, mein altes ich,

mit all seinen Schmerzen und Wunden,

mit allen wichtigen und unwichtigen Momenten,

mit allen guten und schlechten Ereignissen,

mit all seinem Hochmut und seiner Euphorie,

mit all seiner Überheblichkeit und seinem Fanatismus,

in all seiner Sturheit und Verbitterung festgesessen,

mit all seiner Verwirrung

und mit all seinen Zukunftsängsten und seinem ständigen Vorauseilen.

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Ich verabschiede nun auch alle Menschen,

an die ich mich noch erinnern kann,

die mir in diesem oder in früheren Leben begegnet sind.

Ich umarme sie,

öffne ihnen mein Herz und vergebe ihnen

und lasse sie los

und gebe mich der Liebe hin

und tauche ein in das Mysterium.

.

Der Tod

wartet auf mich nicht mehr,

denn ich gehe ihm entgegen und heiße ihn willkommen,

bevor er zu mir kommt, gehe ich zu ihm.

Ich fürchte ihn nicht mehr,

ich rufe ihn sogar,

denn er tötet nur das,

was eh nie gelebt hat,

nur vegetiert.

Sterben kann nur, was nie wirklich Leben war,

deshalb gehe ich nun,

bereit einzutauchen in das wirkliche Leben,

bereit der Ewigkeit zu begegnen,

und sterbe nach innen...

Heliamus


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